Die Höhle von Kong Lor

Morgens bei einem sehr ruhigen Frühstück können wir kaum glauben, was wir sehen: Die Bierdrossel, die mit uns auf dem Slowboat nach Luang Prabang war, trifft gerade mit einem Moped ein. Wie klein ist die Welt, dass wir am gleichen Tag zur gleichen Zeit zufällig in diesem kleinen Dorf sind. Wir müssen lachen über diese Begegnung. Und er bleibt sich selbst treu – gleiche Kleidung, sieht total fertig aus und der Alkohol verschleiert seinen Blick aus völlig rotgeränderten Augen. Seine Reise muss ein Erlebnis wie im Rausch sein. Hoffentlich weiß er später noch was davon.

Gut gelaunt laufen wir zur Kong Lor Höhle und fragen uns unterwegs, wo die Touristen geblieben sind, die mit uns gestern ankamen. Ob sie schon früher zur Besichtigungstour starteten und was machen sie den restlichen Tag hier in der Einöde? Beim Eingang zum Nationalpark ist Eintritt fällig. Wir handeln und Sophia darf umsonst hinein. In Laos müssen Kinder gewöhnlich den vollen Preis zahlen. Das ist für uns ganz ungewohnt, da es in Thailand immer anders war. Wir bestaunen die riesigen Bäume mit ihren mächtigen Wurzeln. Es gibt viele Trichterspinnen, die ihre Netze dort hineingewebt haben. Tatsächlich kommen uns schon einige Leute entgegen, die ihre Höhlenbesichtigung hinter sich haben.

Kurze Zeit später taucht eine Hütte auf, gespickt mit großen Schildern. Hier kaufen wir Bootstickets, 2 Stück für 124.000 Kip (ca.13,95 €). Wir bekommen Schwimmwesten, die ich gar nicht anziehen mag. Erstens schwitzt man noch mehr und Zweitens müffeln sie bereits ordentlich. Doch Sicherheit geht vor Geruch. Als Nächstes heißt es Schuhe aus und Flip Flops an. Nun wird uns ein Bootsführer zugeteilt, ein sehr netter Mann.

Vor der Kong Lor Höhle
Vor der Kong Lor Höhle

Wir gehen über Treppen hinunter zum Fluss, steigen in ein schmales Boot und werden ans andere Ufer gebracht. Während wir noch hinausklettern, rennt unser Führer in einem Tempo los, dass wir mit Sophia gar nicht hinterherkommen. Aber es führt ja nur ein Weg zur Höhle, von daher können wir uns nicht verlaufen. Um zum Höhleneingang zu gelangen, müssen wir über glitschige Steine klettern. Nun erweisen sich die Sicherheits-Flip Flops als echtes Problem, denn ich rutsche mit ihnen immer wieder ziemlich doll aus. Im Gegensatz zu uns sind es die Einheimischen gewohnt, den ganzen Tag und zu jeder Gelegenheit Flip Flops zu tragen. Ich finde sie gerade nicht so angebracht.

Unser Führer wartet am Höhleneingang. Nach Aufsetzen einer Stirnlampe fahren wir mit einem Boot in die Höhle hinein. Ihre Strahlen beleuchtet punktuell die Wände und wir können erkennen, dass die Höhle innen sehr groß und hoch ist. Überall tropft es. Es ist schön ruhig bis auf das Tuckern unseres Motors. Hin und wieder kommen uns andere Touristenboote entgegen.

Unser Boot zur Kong Lor Höhle
Unser Boot zur Kong Lor Höhle

Als wir ein Stück gefahren sind, erreichen wir eine Anlegestelle. Unser Bootsführer erklärt uns, dass er mit dem Boot weiter fährt und uns wieder einsammelt. Mitten in der Höhle stehen wir in einem beleuchteten Raum wie auf einer Insel. Wir lassen uns viel Zeit, die ganzen Stalagmiten und Stalaktiten in diesem sogenannten Tempel zu bewundern. Es sieht sehr schön aus. Als wir fast am Ende des Weges sind, kommt uns unser Bootsführer schon entgegen. Dachte ich mir doch, dass er schon längst auf uns gewartet hat. Inzwischen kennt er Sophias Namen, sagt ihn mehrfach vor sich hin und freut sich darüber mit dem Resultat, dass Sophia denkt, er kann Deutsch. Ich erkläre ihr, dass es nur ihr Name ist, den er kann, bevor sie mit ihrer Lebensgeschichte loslegt.

Der Tempelkomplex in der Kong Lor Höhle
Stalagmiten im Tempelkomplex der Kong Lor Höhle

Wir müssen ein Stück durch das Wasser waten. Der Mann ist so nett und trägt Sophia Huckepack zum Boot. Es geht weiter durch die dunkle Höhle. Nochmals heißt es aussteigen und laufen. Wir sind dankbar für diese Erfrischung und willkommene Abkühlung. Unser Bootsmann fährt dann voll speed über das flache Wasser und sammelt uns am Ende wieder ein. Als wir aus der Höhle herausfahren, legen wir im kleinen Dorf Bang Natan an.

Der Fluss Nam Hinboun schlängelt sich durch die Kong Kor Höhle und verbindet beide Dörfer. Er wird auch heute noch als aktiver Handelsweg genutzt, um Sachen schneller auf die andere Seite des Berges zu bekommen. Dadurch wird viel Zeit gespart. Eine halbe Stunde haben wir Aufenthalt in Bang Natan. Wir entdecken eine selbstgebaute Brücke und beobachten die Schmetterlinge. Zurück am Boot sehen wir wie ein anderer Mann unserem Bootsführer Sophias Kamera samt Hülle überreicht. Er hatte sie gefunden. Welch ein Glück. Sie muss mir aus der Tasche gefallen sein. Wir sind erleichtert und froh über den ehrlichen Finder.

Die selbstgebaute Brücke bei Kong Lor
Die selbstgebaute Brücke bei Kong Lor

Zurück an der Schilderhütte gehen Stefan und Sophia noch eine Runde ins Wasser und patschen im Uferschlamm herum, während ich Fotos mache. Dann müssen wir nochmals den Fluss überqueren. Das Wasser ist in der Mitte so tief, dass Sophia bis über den Bauch nass wird. Wir plantschen eine Weile im Wasser und haben riesigen Spaß. Zurück in unserer Unterkunft müssen wir packen, denn morgen fahren wir nach Savannakhet.

Riesenspaß bei der Flussüberquerung
Riesenspaß bei der Flussüberquerung

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